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Wenn Warnstreiks Menschenleben kosten

Ok, ok, die Überschrift klingt ziemlich krass, ist aber vielleicht gar nicht so übertrieben, wie es eventuell den Anschein hat.

Hintergrund: Wie kaum jemandem entgangen sein dürfte, wird heute und morgen in und um Karlsruhe gestreikt. Dass Karlsruhe ja nicht nur auf den Titel „Fahrradstadt“ solz zu sein scheint, sondern von vielen Bürgernseit einiger Zeit auch „Baustellenhauptstadt“ genannt wird, ist auch kein Geheimnis.

Dass Streikmaßnahmen unter diesen Umständen zu einem Verkehrschaos in Karlsruhe führen würden, kann wohl nicht nur mir schon im Vorhinein klar gewesen sein. Das bedeutet, dass die Streikenden ganz bewusst auch diese ausufernde Auswirkung hingenommen haben.

Was treibt mich also zu dieser reißerischen Überschrift? Abgesehen davon, dass ich Streiks – welche ja immer nach dem selben Schema ablaufen (Wirtschaftskunde for Dummies ;)) – sowieso für Kindergarten halte, hat für mich persönlich folgender Vorfall, der sich vor ca. einer Stunde an der Kreuzung Brauerstraße/Kriegsstraße ereignet hat, das Fass zum Überlaufen gebracht:

Sowohl die Brauerstraße als auch die Kriegsstraße waren völlig überfüllt. Ein Rettungswagen, der allem Anschein nach zunächst von der Kriegsttraße nach rechts auf die Brauerstraße in Richtung Mühlburger Tor abbiegen wollte, entschied sich aufgrund des Rückstaus wohl, doch lieber auf der Kriegsstraße weiterzufahren. Aufgrund des massiven Verkehrsaufkommens und parkender Autos an den Straßenrändern konnte aber kaum jemand irgendwie ausweichen um einen Rettungsweg freizumachen (falls hier der Einwand kommen sollte, dass man bei Stau sowieso einen Rettungsweg freihalten soll: Absolut richtig! Aber die Verkehrssituation hat grundsätzlich nicht viel Platz zum Ausweichen geboten!). Der Rettungswagen musste sich also im Schneckentempo im restlichen zähen Verkehrsfluss durchkämpen. Was, wenn es bei dem Einsatz auf jede Minute ankam? Und ja, ich bin der Meinung, dass es bei weniger zeitgleichen Baustellen in Karlsruhe heute in Karlsruhe anders ausgesehen hätte – auch, wenn die genannte Stelle direkt heute nicht von einer Baustelle betroffen war.

Wie gesagt, den Streikenden (vor allem aber auch dem aufrufenden „Veranstalter“ ver.di, wo man sowas natürlich nicht über Nacht spontan plant) muss in meinen Augen klar gewesen sein, was passiert, wenn man in einer Stadt mit sowieso schon durch unzählige Baustellen geschwächter Infrastruktur einen Bahnstreik durchführt. Wer ein Lahmlegen des Straßenverkehrs in diesem Ausmaß – inklusive der Konsequenzen für Einsatzfahrzeuge – in Kauf nimmt, handelt meiner Meinung nach unverantwortlich und grob fahrlässig.

Und nein – ich habe kein Verständnis mehr – nicht für den kostenverschlingenden und immer unabsehbarer werdenden Bau der U-Strab, nicht für die anderen unzähligen Wander- und Dauerbaustellen alleine in meinem direkten Umfeld, die mich als Autofahrer und Fahrradfahrer gleichermaßen einschränken, und auch nicht für die armen armen Straßenbahn- und Busfahrer. Irgendwann ist es einfach genug, zumal einem als Bürger, der sich massiv eingeschränkt fühlt, von andersdenkenden genau so wenig Verständnis entgegengebracht wird. Stattdessen darf man sich als „Ewiggestriger“ oder „Fortschrittsverweigerer“ betiteln lassen.

Update: Ich habe unten etwas kommentiert, und weil es wichtig ist um durch meinen Beitrag evtl. entstehende Missverständnisse zu vermeiden, packe ich es noch zusätzlich als Update mit rein:

Natürlich sind Streiks ein wichtiges demokratisches Mittel. Aber hier geht es nicht um Kinderarbeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen, sondern um ein paar Prozent mehr gehalt und ein paar Minuten kürzere Schichten.

Meine Kritik geht auch nicht an die Seite der Arbeitnehmer alleine, auch wenn das im Blogpost zugegebenermaßen sehr einseitig rüberkommt. Würde die Arbeitgeberseite nicht grundsätzlich erstmal ablehnen, würden die Arbeitnehmer nicht völlig unrealistische Forderungen stellen. Und genau das meine ich mit “Kindergarten” – es ist wie ein Spiel, das festen Regeln folgt, immer das gleiche und am Ende gibt es dann doch noch eine Einigung zu irgendwelchen Konditionen in der Mitte der ursprünglichen Forderungen.

Du schreibst zwar “Der von dir geschilderte Einzelfall war mit Sicherheit nicht von den Streikenden beabsichtigt.”, andererseits aber auch “natürlich ist es im Sinne der Streikenden damit möglichst viel Chaos zu verursachen” – und das beinhaltet eben auch das lahmlegen der innerstädtischen Infrastruktur und damit das Hinnehmen, dass Rettungsdienste davon gleichermaßen betroffen sind. Und wenn man eben damit nicht rechnet und das nicht mit einkalkuliert hat, dann sollte man sich vielleicht vorher mal Gedanken darüber machen.

Was mich auch aufregt bei Streiks im Verkehrswesen (z.B. auch bei den Fluglotsen demnächst wieder…): Direkt gbetroffen sind die Reisenden – nicht die Entscheider in den Chef-Etagen. Denen ist das doch völlig egal, die sitzen das aus und sperren halt die Mitarbeiter aus – die werden ja von der Gewerkschaft weiterbezahlt.

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2 thoughts on “Wenn Warnstreiks Menschenleben kosten
  • Streiks sind wirklich wichtig. Der von dir geschilderte Einzelfall war mit Sicherheit nicht von den Streikenden beabsichtigt. Wir können froh sein in Deutschland rechtlich gesehen streiken zu dürfen. Oder möchtest du, dass die Arbeitgeber die Konditionen, zu denen die Menschen arbeiten, alleine bestimmen dürfen? Dann sehen wir uns bald im 19. Jahrhundert wieder, wo Kinder einen 16 Stunden-Tag haben. Auch du hast diesen Rechten sehr viel zu verdanken. Tu sie also bitte nicht als Kindergarten ab.

    Und natürlich ist es im Sinne der Streikenden damit möglichst viel Chaos zu verursachen, weil sich damit der Druck auf den Arbeitgeber erhöht. Das ist nicht mehr als legitim.

  • Constantin sagt:

    Natürlich sind Streiks ein wichtiges demokratisches Mittel. Aber hier geht es nicht um Kinderarbeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen, sondern um ein paar Prozent mehr gehalt und ein paar Minuten kürzere Schichten.

    Meine Kritik geht auch nicht an die Seite der Arbeitnehmer alleine, auch wenn das im Blogpost zugegebenermaßen sehr einseitig rüberkommt. Würde die Arbeitgeberseite nicht grundsätzlich erstmal ablehnen, würden die Arbeitnehmer nicht völlig unrealistische Forderungen stellen. Und genau das meine ich mit „Kindergarten“ – es ist wie ein Spiel, das festen Regeln folgt, immer das gleiche und am Ende gibt es dann doch noch eine Einigung zu irgendwelchen Konditionen in der Mitte der ursprünglichen Forderungen.

    Du schreibst zwar „Der von dir geschilderte Einzelfall war mit Sicherheit nicht von den Streikenden beabsichtigt.“, andererseits aber auch „natürlich ist es im Sinne der Streikenden damit möglichst viel Chaos zu verursachen“ – und das beinhaltet eben auch das lahmlegen der innerstädtischen Infrastruktur und damit das Hinnehmen, dass Rettungsdienste davon gleichermaßen betroffen sind. Und wenn man eben damit nicht rechnet und das nicht mit einkalkuliert hat, dann sollte man sich vielleicht vorher mal Gedanken darüber machen.

    Was mich auch aufregt bei Streiks im Verkehrswesen (z.B. auch bei den Fluglotsen demnächst wieder…): Direkt gbetroffen sind die Reisenden – nicht die Entscheider in den Chef-Etagen. Denen ist das doch völlig egal, die sitzen das aus und sperren halt die Mitarbeiter aus – die werden ja von der Gewerkschaft weiterbezahlt.

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